Working Paper: Evolution von KI in der industriellen Arbeitswelt
In der industriell geprägten Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) wird die rasante Veränderung durch Künstliche Intelligenz besonders greifbar. Doch KI einzuführen heißt nicht nur, neue Technologien zu installieren: Unternehmen müssen auch klären, wie sich Arbeit, Rollen und Zusammenarbeit verändern – von neuen Kompetenzanforderungen über wahrgenommene Autonomie bis hin zu Fragen der Akzeptanz, Transparenz und Mitbestimmung. Um diese Veränderungen besser zu verstehen, wurden 2021 und 2025 standardisierte Befragungen unter Beschäftigten, HR-Verantwortlichen und Geschäftsführungen in OWL durchgeführt; 2025 kam ein zusätzlicher Fragenblock zu den Zielen der KI-Einführung aus Sicht der Mitarbeitenden hinzu. Dieses Working Paper vergleicht beide Erhebungsjahre und zeigt, wie sich Wahrnehmungen, Anforderungen und Herausforderungen rund um KI in der Arbeitswelt entwickeln – mit dem Ziel, Unternehmen und Forschung fundierte Orientierung für die digitale Transformation zu geben.
Auf einen Blick
- Empirischer Realitätscheck statt Meinungsstück: Das Paper basiert auf zwei standardisierten Befragungen (2021/2025) in OWL – mit Perspektiven von Beschäftigten, HR und Geschäftsführung.
- Status Quo zum KI-Einsatz in Unternehmen: Von „noch keine KI“ bis „Einsatz im Alltag“ – inklusive Unterschieden nach Branchen und Funktionsbereichen.
- Veränderung in der KI-Nutzung: Weg von „klassischer Automatisierung“ hin zu GenAI-nahen Anwendungen wie Text/NLP und Wissensarbeit.
- Konsequenzen für die Praxis: Was erfolgreiche Einführung wahrscheinlicher macht (Zielklarheit, Kompetenzaufbau, Vertrauensarbeit, Beteiligung) – und wo aktuell noch Lücken bleiben.
Der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt stellt eine der essenziellsten Transformationsdynamiken der Gegenwart dar (Gabriel et al., 2024). Insbesondere in industriell geprägten Regionen wie Ostwestfalen-Lippe (OWL), einem bedeutenden Standort für Maschinenbau, Automatisierungstechnik und industrielle Produktion, gewinnen KI-basierte Systeme zunehmend an Relevanz. Unternehmen stehen dabei vor der Herausforderung, technologische Innovationen nicht nur technisch zu implementieren, sondern auch arbeitsorganisatorisch und sozial verträglich zu gestalten.
Mit der Verbreitung KI-gestützter Anwendungen gehen grundlegende Fragen einher: Welche neuen Kompetenzanforderungen entstehen für Beschäftigte? In welchem Maße übernehmen KI-Systeme autonome Funktionen und wie wird dies von den Mitarbeitenden wahrgenommen? Schließlich stellt sich auch die Frage, welche betrieblichen Herausforderungen mit der Einführung von KI-Systemen verbunden sind, beispielsweise im Hinblick auf Qualifizierungsbedarfe, Akzeptanz, Transparenz und Mitbestimmung.
Um diesen Fragen empirisch nachzugehen und Unternehmen bei strategischen Entscheidungen im Hinblick auf innovative KI-basierte Lösungen zu unterstützen, wurden in den Jahren 2021 und 2025 zwei standardisierte Befragungen unter Beschäftigten, HR-Verantwortlichen und Geschäftsführungen von Unternehmen in der Region OWL durchgeführt (Papenkordt et al., 2022). Anhand dieser sollten Veränderungen in arbeitsbezogenen Wahrnehmungen, Anforderungen und Rahmenbedingungen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und KI-Nutzung erfasst werden. 2025 wurde der Fragebogen um einen zusätzlichen Fragenblock erweitert, der ein besseres Verständnis der Ziele der KI-Einführung aus der Sicht der Mitarbeitenden ermöglichen sollte.
Der Fokus dieser Analyse liegt auf dem Vergleich der Jahre 2021 und 2025 und der Identifikation von Entwicklungen mit Blick auf die wahrgenommenen Auswirkungen von KI in der Arbeitswelt, insbesondere hinsichtlich Kompetenzerwartungen, Autonomieerleben und Herausforderungen der Technologieintegration. Diese Analyse soll dazu beitragen, empirisch fundierte Einsichten in den Wandel der Arbeitswelt unter dem Einfluss intelligenter Technologien zu gewinnen, um somit die wissenschaftliche und betriebliche Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation voranzutreiben.
Da der Begriff „Künstliche Intelligenz“ keine einheitliche Definition besitzt, erhielten die Teilnehmenden zu Beginn der Befragung folgende Definition als Bezugsrahmen:
„Künstliche Intelligenz ist die Eigenschaft eines IT-Systems, menschenähnliche, intelligente Verhaltensweisen zu zeigen. Das beinhaltet zum Beispiel, eigenständige Schlussfolgerungen zu ziehen, angemessen auf Situationen zu reagieren oder aus Erfahrungen zu lernen.“ (Bitkom & DFKI 2017; BMBF 2021)
ÜBER DIE WORKING PAPER REIHE
Damit die Ausprägung der künftigen Arbeitswelt nicht allein technologisch geprägt wird, braucht es eine ganzheitliche Gestaltung. Deshalb führt das Kompetenzzentrum Arbeitswelt.Plus Erkenntnisse der Arbeitsforschung im Kontext von KI-Anwendungen zusammen und entwickelt daraus passende Lösungen für mittelständische Unternehmen. Mit dieser Working-Paper-Reihe geben wir Einblicke in die laufende Forschung der Wissenschaftler:innen des Kompetenzzentrums und möchten gleichzeitig einen Beitrag zur Diskussion rund um aktuelle Themen aus den Feldern Künstliche Intelligenz und Arbeitsforschung leisten.